Sutras

Zazen wird mit einer Zeremonie beendet. Jede Handlung der Zeremonie, wie Räucherstäbchen anzünden, Weihrauch offerieren oder die Sutras singen, hat einen tiefen Sinn. Die Zeremonie ohne Zazen ist formalistisch wie ein Blume ohne Duft. Indessen kann die Zeremonie der Übung eine religiöse Dimension geben. Der Ablauf sieht in der Regel folgendermassen aus:

  • Zwei mal 30-45 Minuten Zazen
  • Singen des Kesa-Sutras am Ende des Zazen
  • Anschliessend Zeremonie: Hannya-Shingyo, Shigu seigan mon, Ji ho san shi
  • Je nach Anlass und Bedarf werden in der Zeremonie weitere Sutras gesungen.

Sutrabuch:

Takkesa Ge – das Kesa-Sutra

Jeden Morgen am Ende von Zazen singen wir dreimal dieses Sutra zur Verehrung des Kesas. Das Kesa ist Buddhas Gewand, das Gewand des Erwachens, das von Meister zu Schüler weitergegeben wird und das die Mönche tragen. Ursprünglich ist es aus Stoffetzen, die gewaschen, gefärbt und sorgfältig zusammengenäht wurden. Wenn wir in Zazen sitzend das Takkesa ge rezitieren erheben wir dieses Gewand zu seiner höchsten Dimension.

Dai sai geda puku
Muso fukuden e
Hi bu nyorai kyo
Kodo sho shu jo

Übersetzung des Kesa-Sutras

Oh Gewand der Grossen Befreiung
Kesa, Feld des grenzenlosen Glücks
Gläubig empfange ich die Buddhalehre,
Um weit herum allen fühlenden Wesen zu helfen.

Hannya Shingyo – das Sutra der Weisheit, die darüber hinausgeht (Herz-Sutra)

Das Hannya Shingyo ist eines der wichtigsten Sutras des Mahayana-Budhismus. In anderen buddhistischen Traditionen nennt man es auch Herz-Sutra. Es ist das Herz, die Essenz der Buddhalehre, zusammengefasst in 262 chinesischen Schriftzeichen. Es wird in Tempeln und Dojos täglich nach dem Zazen gesungen.

Der Sinn dieses Textes : wenn der Bodhisattva versteht, dass Formen und Erscheinungen sich nicht von der Leerheit unterscheiden, dann verwirklicht er die grosse Weisheit, und durch dieses Erwachen hilft er allen Daseinsformen, sich vom Leiden zu befreien.

Maka hannya haramita shingyo

Kan ji zai bo satsu. Gyo jin han-nya ha ra mi ta ji. Sho ken go on kai ku. Do is-sai ku yaku. Sha ri shi. Shiki fu i ku. Ku fu i shiki. Shiki soku ze ku. Ku soku ze shiki. Ju so gyo shiki. Yaku bu nyo ze. Shari shi. Ze sho ho ku so. Fu sho fu metsu. Fu ku fu jo. Fu zo fu gen. Ze ko ku chu. Mu shiki mu ju so gyo shiki. Mu gen ni bi ze-shin ni. Mu shiki sho ko mi soku ho. Mu gen kai nai shi mu i shiki kai. Mu mu myo yaku mu mu myo jin. Nai shi mu ro shi. Yaku mu ro shi jin. Mu ku shu metsu do. Mu chi yaku mu toku. I mu sho toku ko. Bodai sat-ta. E han nya ha ra mi ta ko. Shin mu kei ge mu ke ge ko. Mu u ku fu. On ri is-sai ten do mu so.Ku gyo ne han. San ze sho butsu. E han-nya ha ra mi ta ko. Toku a noku ta ra san myaku san bo dai. Ko chi han-nya ha ra mi ta. Ze dai jin shu. Ze dai myo shu. Ze mu jo shu. Ze mu to do shu. No jo is-sai ku. Shin jitsu fu ko. Ko setsu han-nya hara mi ta shu. Soku setsu shu watsu.
Gya tei gya tei hara gya tei.
Hara so gya tei bo ji so wa ka.
Han-nya shin gyo.

Übersetzung des Herz-Sutras

Der Bodhisattva Kanjizai (Kannon) übt tiefgründig die große Weisheit, als er plötzlich erkennt: alles Dasein und alle Erscheinungen sind KU (Leere, Nichts), und so hilft er allen Wesen und rettet sie.

Oh Shariputra, die Erscheinungen unterscheiden sich nicht von der Leerheit. Die Leerheit unterscheidet sich nicht von den Erscheinungen. Die Form an sich ist Leere, und die Leere ist Form, und mit der Wahrnehmung, dem Denken, dem Handeln und dem Bewusstsein verhält es sich ebenso. Oh Shariputra, alles Dasein ist dem Wesen nach Leerheit, es gibt in ihm weder Entstehen noch Vergehen, weder Reinheit noch Beschmutzung, weder Zunahme noch Abnahme. Daher gibt es in der Leere keine Form und keine Empfindung, Wahrnehmung, Denken, Handeln und Bewusstsein, nicht Augen noch Ohren noch Nase, Zunge, Körper oder Geist, keine Farben, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Tastempfindungen oder Begriffe. Es gibt weder den Bereich der Wahrnehmung noch seine sechs Gegenstände. Auch die Welt der sechs Bewusstseinsarten (Augenbewusstsein, Ohrenbewusstsein, Nasenbewusstsein, Mundbewusstsein, Körperbewusstsein und Wille) gibt es nicht. Es gibt keine Unwissenheit, noch das Erlöschen der Unwissenheit. Es gibt kein Alter und keinen Tod, und kein Erlöschen von Alter und Tod, und entsprechend (verhält es sich mit den zwölf innen). Auch die Vier Edlen Wahrheiten (das Leiden, der Ursprung des Leidens, das Erlöschen des Leidens und DO, der Weg dahin) gibt es nicht. Es gibt keine Erkenntnis und keinen Gewinn. Also ist es mushotoku (ohne Ziel, es gibt nichts zu erlangen).

Durch diese höchste Weisheit (hat) der Bodhisattva den (unbeirrbaren) Geist ohne Hindernis. Ohne Hindernis gibt es keine Furcht. Durch die Trennung von aller Verstörtheit und jeder Illusion erreicht er schließlich das Nirwana. Die Buddhas der drei Welten (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) erhalten durch Hannya Haramita das höchste Satori. Man muss also verstehen, dass Hannya Haramita das große universale Sutra ist, das große glänzende Sutra, das höchste, unübertreffliche aller Sutras, das unvergleichliche Sutra, welches alles Leiden abschneidet. In der echten Wahrheit gibt es keinen Irrtum.

Deshalb besagt das Sutra von der Höchsten Weisheit: gya-tei-gya-tei
Lasst uns darüber hinaus gehen,
darüber hinaus und noch jenseits des Darüber-Hinaus,
hinüber an das Ufer des Satori.

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