Zum Tod von Meister Yuko Okamoto am 16. April 2021

Mit grosser Betroffenheit haben wir vom Tod des verehrten Yuko Okamoto Roshi erfahren, den wir als warmherzige, grosszügige Persönlichkeit kennen lernen durften. Wir schulden ihm grosse Dankbarkeit und Achtung für seine tatkräftige Unterstützung der Sangha von Deshimaru Roshi in Europa und ganz besonders für seine Zuneigung der Sangha von Michel Bovay gegenüber. Unvergesslich bleiben uns Okamoto Roshis Besuche und die herzlichen Begegnungen in Zürich sowie die grosse Gastfreundschaft der Familie Okamoto anlässlich unserer Besuche 1999 und 2007 in Teishoji. Okamoto Roshi wird uns in lebendiger Erinnerung bleiben, wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Am 16. April 2021 ist Meister Yuko Okamoto friedlich im Alter von 86 Jahren ins Nirvana übergegangen. Meister Okamoto war ein naher Freund und Unterstützer von Meister Deshimaru und er gab das Shiho, die Übermittlung an unseren Meister, Michel Bovay.

Am 22. April war auch der Todestag von Missen Michel Bovay und am 29. April (30. April in Japan) jährt sich auch der Todestag von Meister Deshimaru. Wir widmen alle unsere Zazen bis Ende April diesen drei grossen Zen-Meistern, die einige von uns gut kannten. Gassho, Sanpai!

Hier eine Rede von Missen Michel Bovay vom Sommerlager in Davos-Laret 2005, in der er Meister Okamoto im Namen der Sangha dankt:

«Als ich Okamoto-Sensei 1973 zum ersten Mal traf, war er neben Meister Deshimaru im Sesshin in Zinal. Damals war ich noch Anfänger und hätte nie gedacht, dass wir 32 Jahre später zusammen ein Ango praktizieren würden und dass er alle Rakusus für die Ordinationen kalligrafieren würde. Ich weiss, wie viel Okamoto-Sensei Meister Deshimaru unterstützt und geholfen hat. Und jetzt, obwohl es für ihn aus gesundheitlichen Gründen schwierig war, hat er diese Reise unternommen, um an unserem Ango teilzunehmen. Durch seine Präsenz, seine Bescheidenheit und Aufmerksamkeit, erhalten wir von ihm eine Unterweisung jenseits der Worte, für die wir tiefstens dankbar sind. So war es für mich auch bei allen unseren Begegnungen in Japan. Zudem hat er uns die Ango-Praxis von Kodo Sawaki näher gebracht, indem er uns aus seiner Erfahrung von damals erzählt hat. Ich möchte Okamoto-Sensei also ganz speziell danken, weil er seit Kodo Sawaki’s Zeiten, über Deshimaru, bis hierher, nicht aufgehört hat, unsere Sangha zu unterstützen, und in der Übermittlung des Dharma eine grosse Rolle gespielt hat. Deswegen fühle ich mich im Herzen tief mit ihm verbunden. Wenn Meister Deshimaru das alles sehen könnte, wäre er sicher sehr glücklich! Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr ein Sesshin in Teishoji organisieren können. Auf jeden Fall möchte ich, im Namen von allen, Okamoto-Sensei grossen Dank ausdrücken für sein Kommen und seine Präsenz hier. Sanpai!»

Was macht eigentlich Jesse? – ein amerikanischer Zenmönch aus der Schweiz im Tempel in Japan

Jesse Reiho Haasch, lebt seit sieben Jahren in Japan und praktiziert im Kotaiji Tempel in Nagasaki. Auf die Frage, wer er sei und woher er komme, lacht er nur und sagt, er wisse es manchmal selber nicht so genau. Im Tempel in Japan trägt er den Namen Reiho und in den USA und in Europa ist er bei den meisten als Jesse bekannt. Genauso wie er nicht nur einen Namen habe, sei er auch nicht nur aus einem Land. Das sei oft auch eine der ersten Fragen in Japan: «Woher kommst du?» Dann könne er weder sagen, dass er Amerikaner noch dass er Schweizer sei und antwortet jeweils: «Ich komme aus Bukkoku, aus dem Buddhaland.» Damit können die Japaner zwar überhaupt nichts anfangen, aber nur dahinter könne er voll und ganz stehen.»

Eine Reise beginnt: Von Wisconsin, USA nach Zürich

Jesse Haasch wurde in 1973 in Wisconsin, USA geboren, und hat sich schon als Teenager auf seiner Suche für verschiedene spirituelle und philosophische Wege interessiert: Hinduismus, Islam, Buddhismus, Sufismus, westliche Philosophie, etc. Dabei stiess er auch auf ein Buch über Zen, welches die Zazenhaltung beschrieb. Nach einer halben Stunde sass er schon auf dem Bett in der Zazenhaltung und wusste innerhalb der ersten paar Atemzüge «Das ist es!» Es sei etwas Vertrautes gewesen, wie nachhause zu kehren, gleichzeitig mit einem Gefühl einer Grösse und Freiheit, die er noch nie erlebt habe. Anschliessend sass er täglich, zuerst alleine zuhause bei der Familie, später in einem Studenten-Zimmer an der Universität in New Orleans. Rückblickend bereue er ein bisschen, am Anfang alleine praktiziert zu haben: «Es ist gut auch allein sitzen zu können, das habe ich gelernt. Aber man kann auch in eine falsche Richtung wachsen. Bei mir war das so. Die Praxis von Zazen ist etwas das man mit anderen, mit einem Meister tut.»

Eines Tages, als er etwa 19 Jahre alt war, zeigte ihm seine Freundin einen Flyer des Zentempels in New Orleans. Also ging er dorthin und besuchte eine Einführung. Die Erfahrung eröffnete ihm eine neue Dimension der Praxis und bald darauf zog er im Tempel ein. Er praktizierte anschliessend fünf Jahre dort, und wurde 1996 vom Meister Robert Reibin Livingston, einem alten Schüler von Meister Deshimaru, zum Mönch ordiniert. «Ich bin froh mit Robert Livingston angefangen zu haben. Er hat kaum über Zen-Texte unterrichtet, aber war unheimlich stark in den Grundlagen der Zenpraxis: die Haltung, die Atmung, die Konzentration im Hier und Jetzt und Mushotoku (Praxis ohne Absicht, ohne ein persönliches Ziel). Das war für ihn alles.»

1996 kam Reiho zum ersten Mal in den Haupttempel La Gendronniere in Frankreich. Das sei eine nachhaltige Erfahrung gewesen: eine so grosse und diverse Sangha und so viele so unterschiedliche Meister! Er sagt, dass es für ihn eine grosse Erleichterung gewesen sei, diese Vielfalt zu sehen, und nicht seinen Meister in New Orleans nachahmen zu müssen. Im Zentempel in Frankreich lernte er eine Schweizerin kennen und zog bald von New Orleans nach Zürich. Dort praktizierte er mit Michel Missen Bovay, einem anderen nahen Schüler von Meister Deshimaru zehn Jahre bis zu dessen Tod im Jahr 2009. «Was ich an Michel Bovay sehr schätzte, war die Tiefe und Breite seiner Unterweisung und sein ansteckender Enthusiasmus für den Weg. Es gab auch eine grosse und sehr dynamisches Sangha, so dass die alltägliche Praxis in Zürich zu einem wahren spirituellen Abenteuer wurde. Jahre, die ich nie vergessen werde.»

Auf nach Japan

In Japan war Reiho zum ersten Mal bereits 1995 als er seinen amerikanischen Meister Robert Livingston zu dessen Hossen-Shiki-Zeremonie begleiten durfte. 2007 ging er ein zweites Mal mit der Schweizer Sangha von Michel Bovay und blieb anschliessend einige Wochen dort in einem Kloster in Tokyo. Nach dem Tod von Michel Bovay konnte Reiho 2010 zum ersten Mal ein Ango – eine intensive, dreimonatige Praxisperiode – in Shogoji machen, einem alten Tempel tief in den Bergen im Süden von Japan. Es war eine sehr tiefe Erfahrung und dort wurde ihm klar, dass er diese Praxis fortsetzen wollte: sowohl diese Art des traditionellen Kloster-Lebens, als auch die Praxis unter der Leitung des Meisters jenes Angos, Hokan Saito Roshi.

Zurück in Europa war er zuerst etwas hin- und hergerissen zwischen der traditionellen Praxis in einem Tempel in Japan und seinem Leben in Zürich, mit Arbeit, Beziehung und der Praxis in der Mushin Zen Gruppe in Zürich, die er in der Zwischenzeit mit Zenmönchen der ehemaligen Sangha von Michel Bovay aufgebaut hatte. In den kommenden Jahren ging er jedes Jahr für ein weiteres dreimonatiges Ango in einen Tempel in Japan bis er schliesslich 2014 den Entschluss fasste, definitiv nach Japan zu ziehen, zuerst in den Tempel Zuioji, wo sein Meister Saito Roshi über 40 Jahre lange praktizierte. Nach etwa eineinhalb Jahren dort wurde sein Meister Saito Roshi zum Verantwortlichen für die Unterweisung (Godo) im Eiheiji-Tempel berufen, wohin ihm Reiho folgte und eineinhalb Jahre praktizierte. 2017 wurde sein Meister zum Abt von Kotaiji in Nagasaki berufen. Reiho folgte ihm auch dorthin, wo er bis heute praktiziert.

Kotaiji-Tempel: Ausbildungs- und «normaler» Tempel zugleich

In Japan gibt es drei Arten von Tempeln: Erstens, die beiden Haupttempel Eiheiji und Sojiji, die heute auch Ausbildungstempel sind, wo hunderte von Mönchen praktizieren. Zweites gibt es etwa 27 regionale Ausbildungstempel, wo man ein Ango machen kann, was für eine Ausbildung zu einem Abt notwendig ist. Drittens gibt es rund 15’000 «normale» Tempel, die sich in der Regel um eine religiöse Gemeinde (Danka) kümmern, ähnlich wie Kirchen bei uns in Europa.

Kotaiji ist einerseits einer der 27 Ausbildungstempel und andererseits auch einer der 15’000 normalen Tempel mit einer Danka. D.h. der Tempel bildet einerseits zukünftige Äbte von Tempeln aus und macht andererseits diverse Zeremonien und Seelsorge für die lokale Gemeinde. Von dieser erhält der Tempel auch Fuse (finanzielle Unterstützung), um den Unterhalt für den Tempel und die Mönche zu bezahlen.

Nagasaki liegt ganz im Süden der Hauptinsel Japans. Der Tempel Kotaiji liegt zwar mitten in der Stadt, es ist aber doch sehr ruhig. Zudem ist der Tempel relativ klein: Neben den etwa neun Mönchen mit festen Verantwortungen, gibt es je nach Jahr 5-10 Angoshas, d.h. Mönche, die ihre in der Regel einjährige Ausbildung zum Abt eines Familientempels dort absolvieren.

Nachdem Reiho hier 2017 selbst ein Ango absolviert hatte, wurde er einer von den Verantwortlichen, konkret wurde er Sekretär seines Meisters und Ansprechpersonen und Übersetzer für ausländische Mönche. Da Kotaiji einer der wenigen japanischen Tempel ist, wo auch Ausländer ein Ango machen können, hat er immer etwas zu tun: Vor der Zeit von Corona waren die Hälfte der Angoshas Ausländer und die Unterweisung findet ausschliesslich auf Japanisch statt.

Wie praktiziert man in einem japanischen Zentempel?

Ein typischer Tagesablauf in Kotaiji sieht folgendermassen aus: Aufstehen um vier Uhr, 4.30 Uhr eine Periode Zazen, 5.30 Uhr Morgenzeremonie, 6.30 Uhr essen mit Schalen, 7.30 Uhr Putzsamu, 8.30 informeller Tee/ Kaffee. Ab neun Uhr gibt es dann etwas Variation: z.B Zeremonien für die Danka im Tempel oder in den Häusern von Mitgliedern der Danka. Manchmal gebe es etwa 20 solcher Zeremonien an einem Tag: zwei oder drei Zeremonien im Tempel und einige Mönche fahren auf ihren Scootern je zu Mitgliedern der Gemeinschaft und machen dort Zeremonien in deren Häusern und Wohnungen. Wenn es mal keine solche Zeremonien gibt, dann machen alle Samu im Tempel wie Kochen, Putzen, Übersetzen. Um elf Uhr ist die Mittgaszeremonie und um 11.30 Uhr das Mittagessen. Anschliessend gibt es etwas Zeit für «persönliches Studium» – wie man in Europa eine «Siesta» nennt. Ab 13.30 Uhr gibt es dann wieder Samu bzw. wieder Zeremonien für die Danka im Tempel und extern. Um 16 Uhr ist die Abendzeremonie und um 17 Uhr das Abendessen. Anschliessend gibt es etwas unstrukturierte Zeit (Bad, Lesen, Wäsche machen, etc.). Bis 21 Uhr gibt es dann eine oder zwei Perioden Zazen und ca. um zehn Uhr ist dann Lichterlöschen.

An jedem 11. des Monats findet ein eintägiges Sesshin statt und zweimal im Jahr gibt es ein siebentägiges Sesshin: das Rohatsu Sesshin im Dezember und das Sesshin zu Buddhas Nirwana im Februar.

Das Leben in der Gemeinschaft

Im Kotaiji-Tempel gibt es zwei Meister: einerseits den Abt Hokan Saito Roshi, der Meister von Reiho, und andererseits den Verantwortlichen für die Unterweisung, den Godo Giho Munakata Roshi. Diese zwei Menschen sind zwei wichtige Gründe, warum Reiho sehr froh ist, dort zu sein. Saito Roshi, inspiriere ihn durch seine volle Hingabe für die Lehre von Dogen, seinen tiefen Glauben an den Weg des Mönchs und seine Demut – selbst als Abt sei er im Herzen und Handeln immer noch wie ein einfacher Mönch. Der zweite Meister Kotaijis, Munakata Roshi, unterweise vor allem durch sein Tun: Er sage nicht sehr viel, lache dafür umso mehr und sei für Reiho einer der glücklichsten Menschen, den er kenne. «Er hat immer ein Lächeln im Gesicht und macht mit seinen 72 Jahren immer noch am meisten Samu von uns allen.» Allein durch sein Beispiel lerne Reiho sehr viel. Und wenn man ihn doch etwas über das Dharma frage, antworte er aus einer beeindruckenden Tiefe.

Neben den beiden Meistern gibt es sieben weitere «Lehrer», er inklusive, die je unterschiedliche Rollen übernehmen: Tenzo, Ausbildung der Angoshas, Büroarbeit, Übersetzung, Betreuung der Danka, etc. und schliesslich gibt es die Angoshas, die Mönche in Ausbildung. Derzeit, auch wegen der Corona-Pandemie, gibt es nur deren zwei.

Das Leben in einem Zentempel hat auch seine schwierigen Seiten, sagt Reiho: «Ruhezeit ist im Tagesablauf eingebaut, aber einen wirklich freien Tag gibt es nie. Gerne würde ich mich auch freier ausserhalb des Tempelgeländes bewegen können, in der Stadt oder in Japan. Wie überall gibt es auch in einem Zentempel Leute, die man gerne hat und Leute, die man weniger gerne hat. Das ist auch gut so, dass man über seine Zu- und Abneigungen hinausgehen kann. Aber es ist manchmal echt anstrengend, umso mehr weil man ständig auf engem Raum zusammenlebt und sehr wenig Privatsphäre hat.»

Eine Ausbildung ohne Diplom

Vor zwei Jahren hat Reiho eine vierjährige Ausbildung begonnen, um so etwas wie «Kloster-Lehrer» zu werden. Er schickt aber gerade nach, dass das sehr vereinfacht ausgedrückt sei und er nach der Ausbildung weder ein Diplom noch einen Titel habe und auch nicht auf der Suche nach einer Lehrerstelle sei. Für ihn ist die Ausbildung vielmehr eine gute Gelegenheit, in der Vielfalt der japanischen Tempel und Meister einzutauchen. Im Rahmen der Ausbildung verbringt er jedes Jahr während drei Monaten jeweils einige Wochen in verschiedenen Tempeln. So wie die Mönche in früheren Zeiten von Meister zu Meister reisten, ist das heute Teil dieser speziellen Ausbildung für engagierte Mönche. Und das sei sehr spannend, meint Reiho. Auch die anderen Teilnehmer – allesamt aus unterschiedlichen Tempeln – seien inspirierend und haben eine tiefe Lust zu praktizieren, was sonst eher selten in Japan sei. Zudem muss er selber einstündige Teishos (Vorträge) vor seinen Mitschülern und den Meistern halten, inklusive Feedback. Das alles geschieht selbstverständlich auf Japanisch. Das sei zwar herausfordernd aber eben auch eine «fantastische Gelegenheit», wie er sagt. Zwei Jahre sind nun vorüber aber wegen der Corona-Pandemie wurde ein Jahr pausiert und es folgen nochmals zwei Jahre.

Und was bringt die Zukunft?

Reiho ist mittlerweile sieben Jahre in Japan und es ist wie er selber sagt auf die eine oder andere Art auch bequem, wenn man sich mal eingerichtet hat, vielleicht sogar zu bequem. Er meint darum, dass das Leben hier im Tempel in Japan nicht auf Dauer das sei, wonach er suche. Er erzählt, wie er in den letzten Jahren auch einige Male zu verschiedenen Gelegenheiten in Europa war: für Sitzungen, Zeremonien, Ausbildungs-Sessionen, und zwei Mal, um ein Sesshin in der Schweiz zu leiten. Diese Besuche und Sesshins sind es denn auch, die Reiho wirklich berühren. «Obwohl das Zen in Japan definitiv nicht ‹tot› ist, wie man es in Westen manchmal vorschnell behauptet, bin ich am glücklichsten, wenn ich mit der Deshimaru-Sangha in Europa an einem Sesshin sitze. Es bereitet mir am meisten Freude, wenn ich mit anderen etwas teilen kann. Mir ist von diesen wirklich tollen Meistern wie Robert Livingston, Michel Bovay und den Meistern hier in Japan etwas gegeben worden, das ich gerne weitergeben möchte. Das ist wirklich eine super Sache und gerne möchte ich so etwas tun.»

Wie konkret eine mögliche Zukunft zurück in Europa aussehen könnte, kann er aber derzeit noch nicht sagen. Die Zeit wird es dann schon zeigen: «Auf irgendeine Weise möchte ich einfach weiter den Weg zusammen mit dieser grossen Sangha gehen. ‹Wo denn?› fragt man mich oft. In Bukkoku, dem Land von Buddha!

Bodensee-Sesshin 2021 voraussichtlich mit Jesse Reiho Haasch
Vom 24.-26. September leitet voraussichtlich Jesse Reiho Haasch zum dritten mal das Bodensee-Sesshin auf der Wartburg, das dieses Jahr vom Zen Dojo St. Gallen organisiert wird. Weitere Informationen dazu folgen auf www.zendojos.ch

Interview: Philipp Funk

ZEN in Hemberg, 28.-30.5.2021

Aussicht vom Gruppenhaus (Mai 2019)

Nachdem das Sesshin in Hemberg im Mai und November 2021 wegen dem Coronavirus abgesagt werden musste, findet es nun vom 28.-30. Mai 2021 hoffentlich wieder statt. Das Haus ist reserviert und weitere Details folgen auf dieser Webseite.

Ankunft zum Sesshin ist am Donnerstag Abend ab 19 Uhr. Das Sesshin endet am Sonntag nach dem Mittagessen und dem anschliessenden Zusammenräumen ca. um 14/15 Uhr.

Anmelden kann man sich ab sofort beim Zen Dojo Konstanz per Mail unter dojo@zendojo-konstanz.de

Zazen in Coronazeiten, zweiter Lockdown

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 konnten wir während vielen Monaten wieder eine regelmässige Zazen-Praxis im Dojo anbieten, mit der man zur Ruhe, zur Besinnung kommen kann, mit der man sein blindes Handeln, seine Verstrickungen und Ängste reflektieren kann, mit der man Geduld und Gelassenheit üben kann, mit der man das Buddha-Dharma studieren kann – gemeinsam in aller Stille. So können Zufriedenheit und Mitgefühl entstehen und wir können die Verantwortung für unsere Mitmenschen erkennen. Wir hatten Glück, niemand hat sich in den vergangenen Monaten im Dojo mit Corona infiziert, doch dann, als die Infektionszahlen einfach nicht runter gehen wollten, neue Mutationen sich rasch ausbreiteten, mussten wir uns die Frage stellen, ob wir weiter gemeinsames Zazen im Dojo anbieten oder doch vorübergehend wieder schliessen sollten. Ist ein Zen-Dojo systemrelevant und soll somit offen bleiben? Oder übernehmen wir Verantwortung und leisten einen Beitrag zur Reduktion der Ansteckungen indem wir Mobilität und Kontakte reduzieren? Diese Fragen haben uns umgetrieben, bevor wir den Entschluss zur vorübergehenden Schliessung fällten.

Nachdem wir das neue Jahr 2021 noch gemeinsam mit Zazen im Dojo begannen, stellten wir ab dem 18. Januar vorübergehend wieder auf Home-Zazen um. Jeweils zum Freitags Zazen verschickten wir zur Unterstützung der regelmässigen Praxis ein Mail an die Mushin Sangha.

Wir sind froh und dankbar, dass es sehr viele Menschen gibt, die in ihrem Berufsalltag dafür sorgen, dass die lebenswichtigen Dienstleistungen für unsere Gesellschaft funktionieren. Ihnen gebührt ein grosser Dank. Zazen konnten wir für kurze Zeit aber auch zu Hause praktizieren, verbunden im Buddha-Geist zur gleichen Zeit. So hofften wir, unseren Beitrag leisten zu können, damit eine heftige dritte Welle ausbleibt.

Doch Zazen geht weiter – wo auch immer und ab 4. März mit Schutzkonzept wieder im Dojo.
Meister Ryokan hat folgendes Gedicht geschrieben:

Hör doch auf
Mit deiner verrückten Jagd
Nach Gold und Juwelen –
Ich habe etwas viel Kostbareres
Für dich gefunden:
Eine glänzende Perle,
Strahlender funkelt sie
Als Sonne und Mond,
Und jedes Auge erleuchtet sie.
Verliere sie,
und du treibst in einem Meer der Schmerzen.
Finde sie
und du erreichst sicher das andere Ufer.
Ich würde diesen Schatz
Jedem kostenlos schenken
Aber kaum jemand fragt darnach.

Meister Deshimaru hat uns diese glänzende Perle von Japan nach Europa gebracht. Michel Bovay und andere Zen-Lehrer, enge Schüler von Meister Deshimaru, haben uns diese kostbare Perle geschenkt. Tragen wir Sorge zu ihr, praktizieren wir in Dankbarkeit Zazen gemeinsam, vorübergehend zuhause, weiter, erwecken wir den Buddha-Geist in uns – so erreichen wir sicher das andere Ufer. Allein durch Lektüre können wir den Buddha-Geist
nicht berühren.

Home-Zazen Freitag, 29. Januar

Ein Kusen von Michel Bovay vom Sommerlager in den Bergen in Jaun, 2003

Bleibt nicht an den Gedanken haften, sondern kommt immer wieder auf die Konzentration auf den Körper und die Atmung zurück. Konzentriert euch genau auf jeden Punkt der Haltung Wenn ihr so konzentriert seid, wird sich das Verhaftetsein an den Gedanken lösen und sich ein klares, nicht begrenztes Bewusstsein öffnen.

Ganz und gar in Zazen sitzen, in Frieden verweilen, in Eintracht leben, ist nicht so schwer. Unsere wahre Natur ist in Frieden. Wir müssen nur aufhören, sie durch selbst erschaffene Dinge zu vernebeln. Das ist unsere ganze Praxis.
Sich hinsetzen und alle persönlichen Handlungen, die aus dem Ego kommen, die aufgesetzt sind, anhalten und dadurch eins werden mit dem, was ist: mit der Zazenhaltung, mit der Atmung, mit der Natur, mit der Stimme des Tales. Sich durch das kosmische Leben leben lassen. Wenn wir das während Zazen praktizieren, wird sich dies in unsere Zellen, in unseren Körper, in unseren Geist einprägen und wir werden es den ganzen Tag hindurch praktizieren können.
Im Zen gab es einen berühmten Mönch, Taigu Ryokan, der im 18. Jahrhundert lebte. Er gab keine Unterweisungen. Sein Leben selbst war eine Unterweisung. Er lebte zurückgezogen in einer kleinen Einsiedelei, in Einheit mit der Natur. Er bettelte für seine Nahrung im nahen gelegenen Dorf und spielte mit den Kindern auf der Strasse. Sein ganzes Leben war Ausdruck des Dharma, des Zazen-Geistes im Alltag. Seine Gedichte sind sehr berühmt. Während Zazen können wir tief den Frieden des Geistes verstehen. Hier das Gedicht:

Ich lebe in einem tiefen Wald.
Von Jahr zu Jahr wachsen die grünen Lianen.
Darüber hinaus können mich hier kaum menschliche Angelegenheiten plagen.
Ab und zu höre ich einen Holzfäller singen.
In der Sonne bessere ich meine Mönchsrobe aus, unter dem Mond lese ich Gedichte.
Den Menschen dieser Welt möchte ich nur sagen:
Um in Frieden zu sein, braucht man nicht so viel.

Das Mushin Dojo ist wieder bis auf weiteres geschlossen

Infolge der Corona-Pandemie ist das Mushin Dojo ab Montag, 18. Januar wieder bis auf weiteres geschlossen.

Wir stellen wieder um auf Home-Zazen. Die Termine am Do morgen 7-8 Uhr und Fr Abend 19-20.30 blieben bestehen, einfach sitzt jeder bei sich zuhause soweit möglich. Neben Homeoffice machen wir wieder Home-Zazen, bis sich die Lage wieder entspannt hat. Wir verschicken jeweils am Freitag ein Kusen per Mail an die Sangha. Wer das Mail auch bekommen möchte, melde sich bitte per Email an info@zen-zurich.ch.

Wir werden regelmässig Informationen hier auf unserer Mushin-Website kommunizieren. Passt alle auf euch auf und bleibt gesund!

Stille erleben: Naturfotografin, Wanderschäfer, Zenmönch

Die Weihnachtszeit ist auch Zeit der Stille. Wie drei Personen ganz unterschiedlich mit der Stille in ihrem Alltag umgehen, zeigt Thomas Pfann in der Weihnachtsbeilage der Aargauerzeitung. Er porträtiert eine Naturfotografin, einen Wanderschäfer und einen Zenmönch.

Nachfolgend das Porträt von Philipp Funk, Zenmönch der Mushin Zengruppe Zürich.

Sitzend die Stille erleben

Sich jeden Tag eine kurze Auszeit gönnen – davon träumen viele Menschen. Die Praxis des Zen führt einen dazu, allerdings braucht es Geduld und nicht zuletzt den Mut zu einer Art «Gedankenlosigkeit», die sonst in der hektischen Welt von Beruf, Familie und Freizeit kaum erwünscht ist. Beim Zen – insbesondere beim Zazen im Mushin Dojo, dem gemeinsamen Sitzen und Meditieren in der Gruppe – steht die Stille im Zentrum. Zentral sind dabei die korrekte Körperhaltung, das konzentrierte Atmen und die Geisteshaltung, Gedanken loslassen zu können. «Bei der Zen-Meditation versuchen wir, zu hundert Prozent bei uns selbst zu bleiben. Wir wollen nicht an Geschehenes oder Künftiges denken, sondern ganz im Jetzt sein», erklärt Philipp Funk, Kommunikationsfachmann, Zen-Praktiker seit mehr als einem Vierteljahrhundert und Mitglied bei der Mushin-Zen-Gruppe in Zürich.

Zen ist zwar eng mit dem Buddhismus verknüpft, Buddha selbst hat sich den Meditationsmethoden hingegeben. Dennoch beschreibt Philipp Funk Zen hauptsächlich als Praxis, als einen Lebensweg mit einer starken spirituellen Komponente. Bei ihm gehören die Momente der persönlichen Einkehr zum täglichen Leben, ohne dabei die Realität zu vergessen oder gänzlich auszuklammern. Viel mehr gehe es darum, sich von fixierten Überlegungen zu lösen und innerlich still zu sein. «Ich vergleiche die Momente der Meditation mit dem Nach-Hause-Kommen: Plötzlich kehrt Ruhe ein. Der Alltag ist zwar präsent, ohne jedoch den Augenblick zu prägen. Wie wenn sich Sandkörner im trüben Wasserglas langsam senken und den Blick auf die Klarheit freigeben.»

Das tönt alles sehr entspannt und hilfreich, besonders in Stressmomenten in einem überaus engagierten Leben. Nur, wer kann sich diese Momente leisten und mit welcher Zielsetzungen? «Ziele setzen wir beim Zen eben bewusst nicht. Man darf sogar sagen, dass Zen ‹ohne Ziel und Zweck ist›, denn sobald wir auf etwas hinarbeiten, begrenzen wir uns. Und genau das soll bei der Meditation nicht passieren», sagt Philipp Funk. «Zeit für die Meditation muss man sich nehmen. Und wenn die momentane Lebens- situation dies nicht zulässt, macht es dennoch Sinn, am Thema dranzubleiben. Zen ist ein Lebensmarathon, kein Sprint.»

Die Technik, um die Zen-Meditation auszuführen, ist lernbar. Für die korrekte Körperhaltung – mit verschränkten Beinen sitzen, mit geradem Rücken, erhobenem Kopf und gesenktem Blick – braucht es einige Übung und Ausdauer. «Um den Überlegungen und Gedanken des Zen näherzukommen, ist es lohnend, sich zu informieren, zum Beispiel mit den Schriften des japanischen Zen-Meisters Taisen Deshimaru. Sie verschaffen einen guten und praktischen Einblick in die Zen-Praxis», empfiehlt Philipp Funk. Hilfreich sei für ihn Zen nicht nur bei der Meditation selbst, sondern auch in der täglichen Wirklichkeit. «Ich werde nicht verschont von hektischen oder schwierigen Momenten im Leben. Zen ist für mich aber eine sinnvolle Stütze im Um- gang mit dem Alltag.»

Zum Artikel mit allen drei Porträts

Sitzend die Stille erleben, ein Porträt in der Aargauer-Zeitung (Foto: Thomas Pfann)

8. September 2021: Zen-Vortrag mit dem Abt Muho aus Antaiji, Japan (neues Datum)

Muho Nölke, Abt des Zentempels Antaiji (Foto: www.antaiji.org)

Muho ist der neunte Abt des Zentempels Antaiji in Japan. Der verlassene Tempel wurde 1949 von Meister Kodo Sawaki, dem Lehrer von Taisen Deshimaru, wieder belebt und zu einem Ort für die reine und ausschliessliche Zazen-Praxis gemacht.

Muho Nölke wurde 1968 in Berlin geboren und studierte Japanologie, Philosophie und Physik und hatte schon früh den Wunsch, als Zenmönch in Japan zu leben. Nach dem Studium trat er mit 25 Jahren in den Tempel Antaiji ein, wo er zum Mönch ordiniert wurde. Nach dem Tod seines Meisters und Abtes von Antaiji wurde er mit 34 Jahren zum neuen Abt des Tempels berufen.
Muho hat einige Bücher von Kodo Sawaki übersetzt, selber mehrere Zen-Büchern geschrieben und es gibt einen Kino-Dokumentarfilm über die Praxis in Antaiji. Muhō ist seit 2002 verheiratet und hat drei Kinder.

Der Vortrag von Muho findet von 19-21 Uhr im Zentrum Karl der Grosse neben dem Grossmünster in der Altstadt von Zürich statt und er erzählt, wie Muho Abt von Antaiji wurde. Der Titel seines Vortrages lautet «Zazen oder der Weg zum Glück».

Neues Datum 8.9.2021: Ursprünglich war der Vortrag im September 2020 geplant. Wegen Coronavirus wurde die Veranstaltung nun neu auf den 8. September 2021 verschoben. Wir freuen uns auf den Anlass.

Weitere Informationen:

Öffnungszeiten über die Feiertage

Über die Feiertage bleibt das Mushin Dojo von Montag, 21.12.2020 – Sonntag, 3.1.2021 geschlossen. Letztes Zazen vor Weihnachten ist am Freitag, 18.12.2020, erstes Zazen im neuen Jahr ist am Donnerstag, 7.1.2021

Die Einführung im Januar ist am Freitag, 8. Januar (statt am 1.1.).

Frohe Festtage und einen glückliches neues Jahr!

The Kiso Mountains in Snow, Utagawa Hiroshige (Metropolitan Museum)

Sa, 7.11.: Zazentag mit Philipp Funk

Philipp Funk praktiziert seit 1996 und war naher Schüler von Missen Michel Bovay, von dem er auch ordiniert wurde. Er ist Mitverantwortlicher der Mushin Zen Gruppe Zürich.

Der Zazentag findet mit einer Teilnehmerbegrenzung von max. 8 Personen und angepasstem Programm statt. Bitte bis Montag Abend, 2.11. anmelden.

  • Samstag, 7. November 2020
  • Ankunft: ab 8.00 Uhr
  • Erstes Zazen: 8.30 Uhr
  • Ende: 18.30 Uhr (anschliessend Apéro)
  • Kosten: CHF 40.- (inkl. Verpflegung)
  • Mitnehmen: Zenkleider oder dunkle, bequeme Kleidung, Schale, Zafu, Maske
  • Anfänger willkommen (bitte bei der Anmeldung angeben) Anmeldung: info@zen-zurich.ch
  • Wir sitzen mit Abstand
  • Flyer