Sommerlager mit Philippe Coupey in Ommerborn (D)

Nachdem im letzten Jahr das Sommerlager und viele Sesshins mit Philippe Coupey coronabedingt ausgefallen sind, war die Freude bei allen, wieder real zusammen zu praktizieren, gross. Philippe Coupey begann 1972 mit Meister Deshimaru zu praktizieren und leitet bis heute viele Sesshins vor allem in Frankreich und Deutschland. Da seine Sangha hauptsächlich aus dem französischen und deutschsprachigen Raum kommt, finden die grossen Sesshins abwechselnd in Frankreich und Deutschland statt.

Dieses Jahr war Ommerborn, etwa 40 km östlich von Köln wieder an der Reihe. Um die 80 Leute kamen aus Berlin, Hamburg, Halle, Tübingen, Stuttgart, Paris, Nantes, Lille, Basel, Buchs, Zürich, usw. zusammen. Ich stelle mir immer diese Sternfahrt vor, wenn die Menschen aus allen Richtungen am Tag X zusammen treffen. Ob das klappt, war diesmal bis zuletzt unsicher, da zwei Tage vor dem Ankunftstag grosse Unwetter und Überschwemmungen die nähere Umgebung verwüstet hatten und die Zufahrt zum Teil blockiert war.
Schlussendlich sind dann alle heil und mit einem negativen Coronatest angekommen. Zu den weiteren Schutzmassnahmen gehörte auch, dass alle Mahlzeiten draussen in einem extra aufgestellten Zelt eingenommen wurden. Was für das Serviceteam ein zusätzlicher grosser Aufwand war, da die Schüsseln in der Küche abgeholt, über Gänge und Flure, die Treppe hinunter ins Freie getragen werden mussten. Dazu kam, dass für diese Woche zum Teil starker Regen angesagt war.

Doch wir hatten Glück – oder der Kosmos hat unsere Praxis wieder einmal beschützt. Es war zwar kühl, aber regnete kaum und wenn, dann nachts. Alle haben einander geholfen, extra Samu (gemeinschaftliches Arbeiten) wurden für den reibungslosen Ablauf geschaffen und so haben wir mit viel Energie und guter Stimmung 10 intensive Tage Sommerlager miteinander verbracht. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, die Stimmung war konzentriert und es wurde viel gelacht und ausgetauscht. Etwa in der Vorbereitungszeit beim Kaffee nach der Guen Mai oder dem Mittagessen, sowie in der Bar beim Apéro oder nach dem Abendzazen. Am fünften Tag gab es abends ein kleines
Fest – mit Coronaeinschränkungen – trotzdem wurde noch bis spät in die Nacht getanzt. Nach dem vielen Sitzen immer ein besonderes und heilsames Vergnügen für Körper und Geist!
Darauf folgte ein Ruhetag, wo man die ländliche Umgebung mit Spazieren erkunden oder einen Ausflug zum Seebad machen konnte.
Dann das Sesshin, dreieinhalb Tage intensive Praxis im Rhythmus von Zazen und Samu. Und wie immer, während einem längeren Sesshin mit Philippe, an einem Vormittag ein Marsch. Alle kommen in ziviler Kleidung ins Dojo, man sitzt etwa 20 Minuten, dann gehen alle raus, ziehen die Schuhe an und während einer guten Stunde gehen wir zügig und schweigend, konzentriert auf den Boden unter unseren Füssen durch Wald und über Felder. Wieder beim Dojo angelangt sitzen wir nochmals 20 Minuten, danach geht es direkt zum Mittagessen.

Das Sommerlager ist für mich immer ein besonderes Ereignis im Jahr. An einem ruhigen Ort in der Natur sich auf die Praxis konzentrieren, langjährige Weggefährten wieder treffen und neue Bekanntschaften mit Gleichgesinnten machen. Wie kann man das besser, als wenn man zusammen in Stille sitzt oder Samu macht?
Die Pandemie hat uns allen deutlich vor Augen geführt, wie kostbar es ist gemeinsam zu praktizieren, wie kostbar die Sangha (Gemeinschaft der Übenden) ist, einer der drei Schätze des Buddhismus!

Madeleine Ehrhard, September 2021

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